Comic, Interviews & Porträts

Dialoge zwischen Realität und Imagination

Ausstellung Joann Sfar | Foto: Thomas Hummitzsch

In all Ihren Comics gibt es einen musikalischen Aspekt. Was bedeutet Ihnen die Musik?

Ich habe immer davon geträumt, Musiker zu werden. Mein Vater war Musiker, meine Mutter Sängerin, aber sie haben mir kaum etwas beigebracht. Der Zeichner Sempé hat mich einmal gefragt, warum ich mit so viel Hingabe und Freude Musiker zeichne. Da habe ich ihm gesagt, weil ich keine Ahnung vom Musizieren habe. In meinen Zeichnungen steckt oft die Idee einer Lust, einer Sehnsucht. In dem Fall ist es die, dass ich selbst gern Musiker geworden wäre.

In Ihrer cineastischen Hommage an die Lügen des Serge Gainsbourg gibt es eine Szene, in der der junge Gainsbourg mit Kindern von Holocaust-Überlebenden Musik macht und ihnen eine verlorene Freude zurückgibt. Kann Musik alles heilen?

Zunächst muss ich sagen, dass diese Geschichte wahr ist. Sie spielt in einer Montessori-Schule. Und in dieser Schule ist aus Lucien (Ginsburg) Serge geworden. Er ist Musiker geworden, nicht weil er den Kindern etwas zurückgeben konnte, sondern weil er sich selbst an der Musik und dem, was er mit ihr weitergeben konnte, geheilt hat. Ich glaube tatsächlich, dass Musik eine Menge geben kann, aber hier ging es mir vor allem darum zu zeigen, dass er selbst durch das, was er macht, gerettet wird.

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Joann Sfar | avant-Verlag