Ihre Comics sind – was die Technik betrifft – sehr unterschiedlich. Wann treffen Sie die Entscheidung, mit welchen Mitteln Sie arbeiten?
Jetzt kommen wir zu den echten Fragen. Seit vier oder fünf Jahren habe ich schon keinen wirklichen Comic mit Feder und Tusche gezeichnet. Ich habe zuletzt immer nur Sachen mit dem Filzstift gemacht, weil ich mit meinem Engagement in der Filmbranche ausgelastet war. Inzwischen habe ich aber das Bedürfnis, zur echten Tuschezeichnung zurückzukehren. Was die Federzeichnung betrifft, gibt es meines Erachtens eine Art Akademismus, und auf der unbeweglichen Seite der Comicautoren habe ich versucht, diesen etwas aufzubrechen. Aber ich glaube, ich bin daran gescheitert. Egal, ob wir über »Klezmer«, das »Journal de merde« oder meine Aquarellzeichnungen sprechen, ich halte sie alle für Fehlschläge. Comics sind für die Dinge, die ich dort ausprobiert habe, nicht gemacht. Aber es waren Fehlschläge, die ich gebraucht habe. Wenn ich mir meine letzten Zeichnungen von »Romain Gary« anschaue, die wie die Zeichnungen von »Die Katze des Rabbiners« mit Tusche und Feder am Lichttisch entstanden sind, dann stelle ich fest, dass ich nicht mehr so zeichne wie noch vor fünf Jahren. Mein Zeichenstil hat sich verändert.
Für die Radiostation France Inter mache ich eine tägliche Sendung über die Malerei, in der ich die großen Meisterwerke der Malerei interpretiere und kommentiere. Ich zeichne also täglich die Klassiker in den großen Museen ab, in schnellen Strichen, skizzenhaft, aber wenn ich mich dann später an die Comics setze, dann werden sie modifiziert. Und hier liegt sie, die Entscheidung, in der Entwicklung der vergangenen Jahre. Ich habe mich entschieden, nicht der Lehre der Tuschezeichnung zu folgen und zugleich nicht einfach nur irgendetwas zu machen, und dabei darüber nachzudenken, dass das Comiczeichnen etwas anderes ist als die schönen Künste. Comics sind eine angewandte Kunst, wie die Literatur.
Haben Sie einen Lieblingsstil?
Mein Favorit ist der Schwarz-Weiß-Comic, sowohl als Autor als auch als Leser. Aber leider sind die Verleger meistens dagegen – aus kommerziellen Gründen.
Warum Schwarz-Weiß?
Weil es abstrakt ist und der Leser genauso viel arbeiten muss wie der Zeichner. Hinter der Farbe versteckt sich eine Passivität, die an die Kindheit erinnert. In »Die Katze des Rabbiners« funktioniert das wunderbar, weil die Zeichnungen nahezu infantil sind. Aber bei einem Schwarz-Weiß-Comic bist du als Leser selbst viel aktiver. Die Lektüre eines Albums von Hugo Pratt bewegt mich, nimmt mich richtig mit, da ist Musik drin.



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