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Auserlesene ukrainische Literatur

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine richtet sich auch gegen die ukrainische Kultur und Identität. Das Lesen ukrainischer Literatur wird damit zum politischen Akt, der sich gegen diese Zerstörung wendet, und weitet den Blick auf die Ukraine, ihre Menschen und ihre Geschichte. Der Versuch einer unabgeschlossenen Liste der wichtigsten ukrainischen Autor:innen und ihrer zentralen Werke.

»Ja, wir hätten es vorher wissen können, wenn wir nur besser osteuropäische Autoren gelesen hätten«, schreibt der Literaturchef der taz, Dirk Knipphals, mit Blick auf die eigene Branche in der Buchbeilage zur Leipziger Buchmesse. Es hätte Leselisten gebraucht, Gespräche mit denen, die vernetzt sind. Mit Menschen wie Katharina Raabe, die er für seinen Beitrag besucht hat. Raabe ist Lektorin bei Suhrkamp, betreut dort das Osteuropa-Programm und hat in den vergangenen Wochen nicht nur den Ukraine-Leseabend im Gorki-Theater, sondern auch die Demonstration auf dem Berliner Bebelplatz organisiert.

2015, also ein Jahr nach Annexion der Krim durch Russland, gab sie den Band »Gefährdete Nachbarschaften – Ukraine, Russland, Europäische Union« heraus, in dem ukrainische Autor:innen wie Juri Andruchowytsch, Oksana Sabuschko, Serhij Zhadan und Jurko Prochasko die Gefahr eines neuen Ost-West-Konflikts ausloten. Prochasko, Schriftsteller, Literaturübersetzer und Psychoanalytiker, kam kürzlich in der FAZ ausführlich zu Wort und sagte dort: »Wenn er [Putin] die Ukraine bekämpft und sie vernichten will, dann will er als Großrusse sowohl die ukrainische abtrünnige Identität als auch eine westliche Tendenz in dem Raum zerstören, den er als sein Reich ansieht.«

Ja, Putin führt nicht nur einen Krieg gegen ein Land und eine sich nun findende nationale Gemeinschaft, sondern auch gegen die ukrainische Kultur und Identität. Nicht zufällig wird gerade überall deutlich, dass es eine eigenständige ukrainische Sprache gibt, die nicht einfach nur ein Dialekt des Russischen ist. Literatur ist unmittelbarer Bestandteil von Identität und wenn Knipphals sagt, wir hätten es wissen können, ist das nicht nur Eingeständnis eines Versäumnis, sondern auch Aufforderung, zu lesen. Denn es ist nicht zu spät, der ukrainischen Identität, wie sind in den vergangenen Jahren unter Krisen tastend gewachsen ist, nachzugehen und sie lesend zu erhalten. Zudem bietet es die Chance, zu verstehen, was in den vergangenen Jahren »im Herzen Europas« gesellschaftlich passiert ist und die innerukrainischen Abgründe, die mit dem Krieg nicht ein für allemal überwunden sind, auszuloten.

Um möglichst authentische Eindrücke aus der Ukraine aber in den Vordergrund zu stellen, soll hiermit der Versuch einer umfassenden (und unmöglich abschließenden) Aufstellung vorwiegend ukrainischer Autor:innen und ihrer zentralen Werke gemacht werden. Um all jenen, die lesend der Ukraine nahekommen und die Motive der Ukrainer:innen verstehen wollen, eine erste Grundlage zu bieten.

Warum soll man in dieser Situation überhaupt lesen? Mit dieser Frage setzt sich Serhij Zhadan in seinem Essay »Wer braucht gute Bücher im Krieg« auseinander, aus dem Dirk Knipphals in seinem taz-Beitrag zitiert. »Natürlich können Bücher den Krieg nicht beenden«, heißt es da. »Aber Bücher können dir im Krieg helfen, du selbst zu bleiben, dich nicht zu verlieren, nicht unterzugehen.«


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